Ist Wissensarbeit 2.0 traumhaft oder traumatisch?

27. Februar 2009 – 21:44 von Michael Tesar

Die Titelfrage stellt Andrea Back in Ihrem ersten Aufruf zur Teilnahme am “WissensWert Blog Carnival Nr. 1″.

Zu Beginn meiner Antwort soll geklärt werden, was es mit dem Begriff der “Wissensarbeit” auf sich hat.  Eine erste Recherche via Duden und Wikipedia brachte keine Ergebnisse. Also weiter, nun muss eine bekannte Suchmaschine herhalten. Mal sehen, welche Informationen diese zu dem Begriff preis gibt. Und siehe da, gleich der erste Treffer liefert ein brauchbares Ergebnis:

“Wissensarbeit leistet, wer Wissen erwirbt, oder bestehende Wissensinhalte so umwandelt und kombiniert, dass neue Einsichten und Erkenntnisse entstehen. ” siehe wissensarbeit.de

Ein weiterer Treffer führt zur Diplomarbeit “Wissensarbeit mit Social Networks” von Johannes Kleske. Er definiert Wissensarbeit wie folgt:

“Wissensarbeit ist [...] das Hantieren mit und das ständige Überarbeiten von Wissen, das sich fortwährend weiterentwickelt.” S. 8 und weiter
“Lebenslanges Lernen ist eine Grundbedingung für einen Wissensarbeiter. Er muss offen gegenüber Neuem sein und dies in einen Kontext einordnen können. Um mit der Informationsflut zurechtzukommen und sie sogar zu nutzen, braucht ein Wissensarbeiter Techniken zum Sortieren, Analysieren und Archivieren von relevanten Informationen.” S. 10

Gut, wir hätten einen groben Überblick über die Thematik. Offensichtlich drängt sich der Vergleich des Wissensarbeiters mit einem Wissenschaftler auf und allzu große Unterschiede in den inhaltlichen Definitionen sind wohl nur schwer auszumachen. In der Wikipedia wird Wissenschaft / Wissenschaftler wie folgt definiert:

“Wissenschaft ist die Erweiterung des Wissens durch Forschung, seine Weitergabe durch Lehre, der gesellschaftliche, historische und institutionelle Rahmen, in dem dies organisiert betrieben wird, sowie die Gesamtheit des so erworbenen menschlichen Wissens.”

Als vordergründig einziger Unterschied ist festzuhalten, dass die Wissensarbeit per Definition die Lehre nicht umfasst. Eine genaue Differenzierung der beiden Begriffe würde wohl den Rahmen dieses Beitrages sprengen und auch am Thema vorbeizielen. Die Gemeinsamkeiten: Wissensarbeit umfasst ebenso wie Wissenschaft das Lernen, Hinterfragen, Zusammenfassen, Reflektieren – es spiegeln sich hier die Grundkonzepte der wissenschaftlichen Arbeit wieder. Bedeutet das nun in Folge: Wissenschaft = Wissensarbeit + Lehre? Vermutet darf es werden.

Bleibt zu klären, was unter Wissensarbeit 2.0 zu verstehen ist. Es zeigt sich immer mehr, dass “2.0″ zum Schlagwort der heutigen Zeit geworden ist. Der Begriff “Web 2.0″ wird oftmals überstrapaziert, auch wenn sich die wenigstens konkret etwas darunter vorstellen können. Viele betrachten das Web als das was es ist, egal ob Web 1.0 oder 2.0 oder X.0 drauf steht. User generated Content, jeder kann Autor werden / sein, dominiert das heutige Web. Neben professionell aufbereiteten Inhalten unterschiedlichster Verlage, Agenturen, Institutionen und Firmen stehen immer mehr Inhalte von Laien zur Verfügung. Das Web ist dadurch eine Wissensquelle, Unterhaltungswelt, Spielwiese, Marketingmaschine und letztendlich für viele auch tagtägliche Arbeitsstätte.

Technisch hat sich an den Grundlagen nicht viel verändert, aber die aktive Partizipationsmöglichkeiten und vor allem die Vereinfachungen des Zugangs zu den selbigen lassen es verständlich erscheinen, von einer neuen Version des Internets zu sprechen.

Somit lässt sich der Begriff “Wissensarbeit 2.0″ dazu zusammenfassen, dass man Wissensarbeit betreibt, unterstützt von den zahlreichen Möglichkeiten des Web 2.0, des “Mitmach-Webs”, und dazu auch alle Kommunikationsformen der heutigen Zeit nutzt.

Um nicht allzu weit auszuholen: Was früher der Reiter mit einer Nachricht war, später der Brief und das Telefon sind heute E-Mail und Handy. Was früher Zeitungen, Bücher und Bibliotheken waren, sind heute Webmagazine, Blogs, digitale Bibliotheken mit Suchmaschinen. Fast keine der traditionellen Informationsübermittlungsmethoden bzw. Informationsquellen sind verschwunden, sie werden nach wie vor parallel zu den neuen Methoden angeboten und genutzt. Jedoch: Heute dominieren Online-Dienste die Informationsübermittlung. E-Mails sind nicht mehr wegzudenken, RSS-Feeds dienen der gefilterten Informationsbeschaffung aus einer Vielzahl von Quellen und Kurznachrichten via Twitter erfüllen neben sozialen Aufgaben auch informative.

Aber welche Vor- und Nachteile bringen die neuen Informationstechnologien für die Wissensarbeit mit sich?

Kann ich mit Web-2.0-Tools effektiver mit Information und Wissen umgehen?

Ob man mit Web 2.0-Tools effektiver mit Informationen und Wissen umgehen kann als ohne sie, ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Sicher ist es einfacher geworden auf Informationen zu zugreifen, vor allem auch die Geschwindigkeit der Informationsweitergabe ist deutlich gestiegen. Damit ist aber auch die Informationsdichte in die Höhe geschnellt und wir werden beinahe mit einer Unmenge an Informationen und somit auch Wissen überrollt. Folglich kommt es darauf an, wie jeder für sich die Konsumation von Informationen organisiert. Erst dann kann entschieden werden, ob dies effektiv ist oder nicht.

Vielfach kann auch beobachtet werden, dass Wissensarbeit mit Web 2.0 Tools von dem “sich im Web verlieren” bzw. “Lost in Cyberspace” begleitet wird. Schnell folgt man einem interessanten Link, liest, recherchiert weiter und entfernt sich zunehmend vom eigentlichen Thema.

Es kommt aber auch darauf an, wie man die Effektivität messen / beziffern möchte, mit der man Informationen und Wissen bezieht / verarbeitet oder nutzt. Es bedarf einer entsprechenden Portion Selbstdisziplin sich im Falle einer gezielten Informationsbeschaffung nicht zu sehr von der eigentlichen Rechercheaufgabe ablenken zu lassen.

Positiv entwickelt sich die Verwendung von sozialen Netzwerken zur gezielten und effektiven Weitergabe von Informationen. Freunde / Kollegen empfehlen einem interessante Links auf Texte und Inhalte, von denen sie glauben, dass sie einen interessieren könnten. Hin und wieder ist die ein oder andere Empfehlung unbrauchbar, aber im Großen und Ganzen funktioniert diese Art der Informationsweitergabe -  die persönliche Empfehlung – sehr gut.

Man kann Web 2.0 Tools auch für eine effektivere Informationsbeschaffung und -verarbeitung heranziehen als dies mit traditionelleren Methoden möglich wäre, wenn man es schafft, die Informationen (deren Dichte, durch das Medium Internet bedingt, steigt) gezielt zu organisieren und die verwendeten Tools korrekt einzusetzen. Letzteres setzt voraus, dass man sich mit den verwendeten Diensten / Angeboten intensivst auseinandersetzt und den Umgang mit diesen erlernt, denn viel Zeit verstreicht durch die falsche Anwendung oder den falschen Einsatz und dann ist der Zeitgewinn durch die Web-Technologien, den man auch durchaus als Faktor zur Effektivität der Informationsbeschaffung hinzurechnen muss, wieder verloren.

Verbessern sich die Produktivität und Qualität der Arbeit?

Kurz und bündig: Meiner Meinung nach nicht. Warum? Es liegt am eigenen Arbeitsstil und der Selbstmotivation wie produktiv und qualitativ man arbeitet oder nicht. Und ob Informationen aus traditionellen Medien gewonnen werden oder aus den “neuen” (welche anschließend kritisch hinterfragt werden müssen), spielt für die Qualität kaum eine Rolle – vielleicht beim Aspekt der Aktualität der Informationen.

Wichtig ist hier vielmehr, wie vorliegende Informationen bewertet werden. Die Information per se kann sowohl aus einem Buch von guter Qualität sein, wie auch z.B. aus dem Internet oder einer beliebigen anderen Quelle. Es obliegt der eigenen kritischen Betrachtung das Beste aus seinen Quellen herauszuholen.

Werden die Vorteile der neuen Arbeitsmittel durch negative Seiteneffekte überkompensiert?

Vermutlich ja. Nach wie vor eine große Unbekannte in der Anwendung der neuen Arbeitsmittel bzw. der Web 2.0 Technologien oder des Internets ist die Reaktion der Gesellschaft oder sollte man besser sagen die Auswirkungen auf die Gesellschaft?! Wie geht die Gesellschaft mit einem Überangebot an Unterhaltungsmedien und Informationen via Internet um? Wie sehr verändern die neuen Methoden zur Wissensvermittlung und -generierung die Gesellschaft? Wird der sozial isolierte und gleichzeitig gläserne Mensch Wirklichkeit?

Um diese Fragen zu beantworten gibt es das Internet, in Relation zum Bestehen der Menschheit, noch viel zu kurz. Erste Anzeichen einer Überkompensation – einem Überwiegen der Nachteile – sind sicher zu erkennen und sollten sehr wohl ernst genommen werden. Burn-Out, Reizüberflutung und mangelnde Sozialkompetenzen sind nur einige Schlagwörter, die immer wieder zu lesen sind.

Unabhängig davon muss man Informationen aus dem Internet stets kritisch hinterfragen und verifizieren. Eine gesunde Skepsis muss gewahrt bleiben, Lehrende müssen Lernenden an eine Arbeitsweise heranführen, die es erlaubt Informationen zu prüfen und gleichzeitig versucht die Weiterverbreitung von Falschinformationen zu unterbinden. Das ist wohl die größte Herausforderung in der Nutzung des Internets und Web 2.0 als Informationsquelle.

Mittels korrekter Wissensarbeit (oder besser: korrekter wissenschaftlicher Arbeit?), die man von  Grund auf gelernt hat, ist man in der Lage potentiell falsches oder ungültiges Wissen von richtigem, wahrem Wissen zu unterscheiden. Der Aufwand Wissen aus dem Web zu verifizieren ist sicher zu dem Recherche-Aufwand der Wissensarbeit vergangener Tage hinzuzurechnen. Früher gab es kein Internet, die Verifikation beschränkte sich meist auf gedruckte Publikationen. Folglich steigt in der heutigen Zeit der Aufwand, denn ich bezweifle, ob der leichtere und schnellere Zugriff auf (ehemals gedruckte) Publikationen über das Internet den Mehraufwand wett machen kann.

Und ein weiterer Nachteil darf nicht unerwähnt bleiben: Für unehrliche Wissensarbeiter ist es mittlerweile deutlich einfacher geworden fremdes Wissen als ihr eigenes auszugeben. Fast nichts mehr ist leichter, als Webseiten zu kopieren und in die eigene Arbeit aufzunehmen. Dass in diesen Fällen auch korrekte Zitate und Quellenangaben nötig sind, wird oftmals (un)wissentlich vergessen.

Wie verläuft der persönliche Lernprozess, sich diese Arbeitspraktiken anzueignen?

Mein persönlicher Lernprozess ist von einem fortwährenden “learning-by-doing” gekennzeichnet, begleitet von einem konsequenten kritischen Hinterfragen, welche Vor- und Nachteile eine neue Arbeitspraktik mit sich bringt. Ein jedes Ausprobieren einer neuen Technologie oder Dienstes zeigt, dass man die Selbstdisziplin besitzen muss, sich von den eigenen zentralen Aufgaben nicht zu sehr zu entfernen und sich nicht ablenken lassen darf – was in der anfänglichen “Alles-ist-neu-und-muss-probiert-werden”-Phase sicher nicht für jeden ganz einfach ist.

Und dennoch sollte man in der virtuellen Welt der Informationen niemals auf die Realität vergessen: Mit jedem neuen Tool, das man einsetzt, verbringt man noch mehr Zeit vor dem Rechner.  Lösten anfangs statische Webseiten und die Nutzung von E-Mails uneingeschränkte Freude aus, müssen E-Mails heute schon gut vorsortiert und von Spam befreit werden, um effektiv gesichtet und bearbeitet zu werden. RSS erleichterte die Aufbereitung von Informationen und man war stets aktuellst informiert – nun hat man mehrere Dutzend Feeds abonniert und stellt sich die Frage: Wann liest man denn das alles? Und dann noch unzählige Foren und Blogs, an denen man partizipiert… Also an Informationen und Verarbeitungsmöglichkeiten mangelt es sicher nicht, sondern an der Zeit!

So komme ich zum Schluss: Nicht jede neue Arbeitspraktik muss mitgemacht werden, nicht alles muss ausprobiert werden. Man sollte sich sein ganz persönliches Portfolio – den eigenen Werkzeugkasten – zusammenstellen, mit dem man der Informationsflut entgegen treten möchte.

Und um die Eingangsfrage zu beantworten: Wissensarbeit ist traumhaft. Neue Methoden und Anwendungen im Web erleichtern den Zugriff auf Informationen und Wissen. Nachteile sind natürlich vorhanden – kein Vorteil ohne Nachteil – aber letztendlich entscheidet man selbst, wie stark die Nachteile ausfallen: Wenn man sich gut organisiert sowie die aggregierten Informationen entsprechend filtert und aufbereitet, dann kann man durchaus von effektiver und gewinnbringender Wissensarbeit mit dem Internet (Wissensarbeit 2.0) sprechen.

  1. 6 Kommentare zu “Ist Wissensarbeit 2.0 traumhaft oder traumatisch?”

  2. Auch ich kann der Schlussfolgerung des Autors zustimmen und sehe durch das neue Web 2.0 innovative Möglichkeiten der aktuellen Wissensverarbeitung. Ergänzend zu den bereits ausführlichst beschriebenen Vor- und Nachteilen der neuen Technologien möchte ich noch auf zwei zusätzliche Aspekte aufmerksam machen.

    Ich verstehe unter dem Begriff “Web 2.0″ nicht nur die neuen Webauftritte in Form von Blogs, Wikis und E-Learning-Systemen, sondern auch die technologische Betonung bzw. dynamische Gestaltung von Webseiten. Schlagwörter wie AJAX, Flash und Javascript sind zwar nicht völlig neu, haben aber dem Web 2.0 einen nicht zu vernachlässigenden Schliff gegeben.

    Besonders dem überdurchschnittlichen Einsatz von Flashanimationen, den prunkvoll gestalteten Menüleisten und den ausschließlich AJAX-basierten Webseiten sehe ich aus der wissenschaftlichen Sicht etwas skeptisch entgegen. Nicht nur, dass das Nicht-Vorhandensein von Information oft durch graphische Impressionen wettgemacht werden soll (das passiert auf anderen Webseiten natürlich ebenso), sondern auch der Aufbau der Webseite selbst ermöglicht meiner Meinung nach keine korrekte Wissensarbeit.

    So ist ein vollständiges Zitieren von flashanimierten Webseiten fast unmöglich, da keine “seitenscharfen” Angaben zur Verlinkung gemacht werden können. Ein Kommentar “Klicken Sie im linken Menü auf den dritten Unterpunkt.” zu einem angegebenen Link zeigt im Literaturverzeichnis nicht gerade von Professionalität. Auch fehlt es oft an konkreten Angaben zum Veröffentlichungsdatum oder letzten Update der verwendeten Webressourcen. Die Aktualität bzw. noch vorhandene Relevanz des Wissens kann daher (wenn überhaupt) nur schwer ermittelt werden. Nicht zuletzt sorgen unvollständige Impressen/Offenlegungen oder ein Nickname (Pseudonym) als Autoren- oder Urheberbezeichnung für unseriöse Zitate.
    Probleme, die es beim guten alten Buch oder Skript nicht gegeben hat.

    Ein weiterer Punkt, die Einfachheit der Informationsbeschaffung, wurde ebenfalls bereits erwähnt. Hier sehe ich vor allem für unerfahrene Autoren (z.B. Schüler oder Studierende in den ersten Semestern) eine Falle. Der Glaube, dass man schnell einmal etwas im Internet recherchiert, zu Papier bringt, und dadurch schon unantastbare Wissensarbeit praktiziert hat, führt diese Autoren auf eine falsche Fährte. Genau das Gegenteil ist nämlich der Fall. Hier gilt es sowohl die Informationen selbst als auch dessen Quellen kritisch zu hinterfragen und nicht den “erstbesten Suchmaschineneintrag” als die verlässlichste Ressource anzusehen.

    Als praktisches Anwendungsbeispiel seien hier die elektronischen Kataloge und Datenbanken verschiedenster universitärer Einrichtungen genannt. Springerlink, IEEE, ACM und viele andere renomierte Wissenschaftsportale bieten heutzutage freie oder vergünstigte Zugänge für den universitären Alltag. Zahlreiche Papers und Veröffentlichungen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen stehen als Referenz zur Verfügung. Dadurch werden Studierende angeregt sich mit qualitativ hochwertiger Wissenschaft zu beschäftigen, in der auch das korrekte Zitieren keine Hemmschwelle mehr darstellt. Trotzdem bleiben die Informationssuchenden aber in einer vertrauten Webumgebung und können über bequeme Suchmasken und kurze Zusammenfassungen die jeweiligen Wissensinhalte recherchieren.

    Abschließend kann ich nochmals betonen, dass Wissensarbeit 2.0 traumhaft ist und ich die Vielzahl an Online-Recherchemöglichkeiten und Informationsquellen der neuen Gesellschaft nicht missen möchte. Allerdings sollten Werkzeuge/Tools, Technik und vor allem der eigene Beitrag zur Informationsgesellschaft so gewählt werden, dass aus einer traumhaften Wissenschaftswelt nicht irgendwann ein Wissensalbtraum 2.0 wird.

    geschrieben von Thomas Hainzel am 10. Mrz, 2009

  3. Für des Editorial zum WissensWert Blog Carnival Nr. 1 schaue ich mir gerade alle 15 Beiträge an, um gemeinsame Aussagen herauszufiltern. Danke für Ihren sehr dichten Beitrag, dem ich nur zustimmen kann. Die Frage, wie man das schafft, jedem Info-/Wissensarbeiter das persönlich passende Toolportfolio und die passende Nutzungsform zu konfigurieren (ob selbst oder durch externe Unterstützung), beschäftigt mich, sehe ich doch Potentiale, dann den Infostress zu reduzieren und die Vorteile zur Wirkung zu bringen. Wenn man aber anschaut, dass diese Herangehensweise trotz Leidensdruck bei E-Mail schon kaum “zum Fliegen” kommt, bleibt wohl nur die Resignation vor dieser Forschungsfrage – oder nicht?

    geschrieben von Andrea Back am 15. Mrz, 2009

  4. Also resignieren würde ich deswegen (noch) nicht. Ich sehe die Problematik eher in der Herangehensweise beim Einsatz von neuen Techniken, Werkzeugen oder Medien: Immer weniger Menschen verfügen über die geeigneten Kompetenzen diese neuen Entwicklungen korrekt einzusetzen.

    Um obiges Beispiel fortzuführen: E-Mail kam auf und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der alltäglichen Kommunikation. Viele haben sich mehr oder weniger an ihr E-Mail-Programm gewöhnt, aber nur wenige haben sich je Gedanken darüber gemacht, ob sie ihren Arbeitsablauf beim E-Mail lesen / schreiben optimieren könnten: Sei es durch eine geeignete Sortierung, eine Bearbeitung nach eigenen Richtlinien oder zu fest gelegten Zeiten…

    Viele haben nie gelernt mit dem Medium E-Mail korrekt umzugehen, sondern nutzen es “nur”. Sie erkennen die wahren Vorteile nicht oder nur schwer und es Bedarf wohl noch einiges an Aufklärung, wie man die Werkzeuge richtig und zeitsparend einsetzen kann. Erst dann wird sich der Stress und “Information Overload” reduzieren…

    Wie gesagt, resignieren vor der Frage “Ist Wissensarbeit 2.0 traumhaft oder traumatisch?” würde ich nicht. Hingegen würde ich sie vielleicht in eine andere Richtung lenken und mich fragen, ob nicht die Entwicklung neuer Technologien zur Kommunikation und Informationsweitergabe für die NutzerInnen, ProduzentInnen wie RezipientInnen, einfach zu rasch voran schreitet und daher die Gesellschaft beginnt, in Anbetracht der zunehmenden Geschwindigkeit, zu resignieren.

    Letztendlich betrachte ich es als eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit, Lernenden entsprechende Medienkompetenzen zu vermitteln und sie an eine effiziente sowie effektive Nutzung der Wissensarbeit 2.0 – Werkzeuge heranzuführen.

    geschrieben von Michael Tesar am 15. Mrz, 2009

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