E-Learning einmal anders

23. April 2009 – 10:46 von Michael Tesar

Unter E-Learning wird in den meisten Fällen ein Lernen mit Computern am Arbeitsplatz (Desktop-PCs) oder mobilen Geräten (PDA, Smartphones, Multimedia-Geräten, Notebooks, …) verstanden. Doch wer sagt, dass der eingesetzte Computer ein Computer im herkömmlichen Sinn sein muss – also mit Bildschirm, Tastatur, Maus, Lautsprechern etc. ? Dieser könnte doch auch situationsbezogen anders aussehen und so einen wesentlich höheren Lerneffekt erzielen.

Zielgruppen-orientiertes Design von E-Learning-Anwendungen oder Szenarien ist zwar vordergründig selbstverständlich, aber selten kann oder wird dies korrekt umgesetzt. Scheitert es doch oftmals an den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die Bedürfnisse der Endanwender zu erkunden und diese Erkenntnisse in das E-Learning-Produkt einfließen zu lassen ist aufwändig, aber letztendlich notwendig um einen entsprechenden Erfolg beim Lernen zu erzielen. Denn niemand lernt gerne mit Unterlagen, die nicht ansprechend gestaltet sind und so demotivieren.

Und bevor ich nun zum eigentlichen Inhalt dieses Artikels vorstoße, noch ein dritter Punkt, der eine wichtige Rolle in der Entwicklung von E-Learning-Angeboten spielt: Die Farbe. Die psychologische Wirkung von Farben ist schon lange bekannt. Werbung zielt genau mit diesen Methoden auf unser Unterbewusstsein ab und Menschen merken sich vieles dadurch besser oder leichter. Warum also diese Effekte nicht auch im E-Learning-Bereich bewusst einsetzen und das Unterbewusstsein von Lernenden in den Lernprozess aktiv miteinbeziehen?

Die drei oben genannten Punkte wurden in einer “E-Learning-Anwendung” der etwas anderen Art berücksichtigt und eingearbeitet. Neben den Symbolen, die Auskunft geben, ob alles richtig gemacht wurde oder nicht, spielt auch die farbliche Hinterlegung eine wichtige Rolle. Wenn alles richtig gemacht wurde färbt sich die Anzeige grün, wurden Fehler gemacht, wird die Anzeige blau unterlegt. Rot scheint in diesem Fall doch etwas zu dominant zu sein, vor allem weil man hier nicht wirklich von “falsch” sprechen kann. Wovon ich rede?

Das “etwas andere” E-Learning-Beispiel, welches ich hier kurz vorstellen möchte, kommt aus der Autowelt: Der neue Honda Insight – ein Hybrid-Fahrzeug – ist mit E-Learning-Features zum Erlernen einer umweltschonenden Fahrweise ausgestattet. Neben einem Hybrid-Antrieb setzt der Hersteller auf zusätzliche Informationen und Rückmeldungen an die FahrerInnen um diesen eine verbrauchsarme Fahrweise beizubringen. Und dazu gehört nicht nur eine Verbrauchsanzeige, sondern zwei wesentliche Erweiterungen:

  1. Der Tacho wird je nach Fahrstil blau oder grün unterlegt. Wer verbrauchsarm fährt, kann sich über einen grün hinterlegten Tacho freuen. Aggressives Fahren und abruptes Bremsen färben das Tacho-Display blau. Eine gemäßigte Fahrweise lässt den Tacho blau/grün erscheinen.
  2. Das “Belohnungssystem”, der Gesamt-Eco-Score: Je vorausschauender und ökologischer das Fahrzeug bewegt wird, desto schneller und prächtiger beginnen die Pflanzen am Display zu blühen und zu wachsen. Fährt man zu aggressiv, wird zu viel CO2 ausgestoßen und die Pflanze wächst nicht weiter. Am Ende einer jeden Fahrt sieht man das Resultat der eigenen Fahrweise in Form dieser Pflanzen (bis zu 5). Abgerundet wird diese Information mit einer Gesamtwertung über die komplette Lebenszeit des Fahrzeugs.

Diese beiden Features des Fahrzeugs sollen die FahrerInnen dazu motivieren, umweltschonend unterwegs zu sein – und ganz nebenbei wird der Straßenverkehr auch ein wenig sicherer. Die FahrerInnen sollen also mit dem Fahrzeug aktiv lernen: Einerseits Treibstoff zu sparen (Umweltschutz) und andererseits sich eine ruhige Fahrweise anzueignen (Sicherheit). Und das ganz nebenbei, neben den alltäglichen Fahrten in die Arbeit, zum Supermarkt oder in den Urlaub.

Und ehrlich: Wer von uns hätte nicht lieber fünf blühende Blumen am Display anstatt kahler Stängel…?

Links: Bilder und Pressetext zum “Ecological Drive Assist System to enhance real world fuel economy

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