E-Learning einmal anders II

2. Mai 2009 – 11:20 von Michael Tesar

Bei meiner Suche nach spannenden Best-Practice-Beispielen aus der Welt des E-Learnings stoße ich immer wieder auf äußerst interessante Projekte, die ganz bewusst auf die Bedürfnisse der Zielgruppen eingehen und sich damit durchaus vom “Standard-E-Learning-Angebot” manch anderer Projekte unterscheiden.  Mit diesem Beitrag  möchte ich kurz ein Forschungs-Projekt vorstellen, welches sich um die Bedürfnisse von autistischen Kindern bemüht.

Autisten sind mit der komplexen Realität oftmals überfordert, ziehen sich immer mehr zurück, vereinsamen und die sozialen Kompetenzen schwinden oder werden nie vollständig entwickelt. Dieser Isolation wollen die ForscherInnen des Projekts IROMEC [2] entgegenwirken. Vgl. [1, S. 53]

Ein noch anonymer Roboter (“…das sieben Kilogramm schwere Vehikel …, das mit seinem Bauch auf vier Rädern und dem Kopf an einen Käfer erinnert.” Siehe [1, S. 53]) soll helfen die Kommunikations- und Interaktionsbarrieren abzubauen. Mit unterschiedlichen vorprogrammierten Spielen sollen Kinder zum Mitspielen motiviert werden. Vgl. [1, S. 53]

“IROMEC will investigate how robotic toys can provide opportunities for learning and enjoyment. The developed robotic system will be tailored towards becoming a social mediator, empowering children with disabilities to discover the range of play styles from solitary to social and cooperative play. Robustness, dependability as well as “plug&play” operation of the robot system are specially addressed.” Siehe [2].

Ein wichtiger Faktor zum Erfolg liegt in der Einfachheit begründet. Was zwar technisch eine große Herausforderung darstellt, ist für den Nutzer viel einfacher zu begreifen. Roboter sind für Außenstehende, in diesem Fall Autisten, leichter zu verstehen als Menschen, folglich verlieren sie auch deutlich schneller ihre Scheu vor dem “Neuen”.  Vgl. [1, S. 56]

Die betroffenen Kinder bauen somit nicht nur eine Beziehung zum Roboter auf, sondern auch zu ihren BetreuerInnen. Durch die damit erzielten Erfolge, wird die Weiterentwicklung von Lern-Robotern zur Förderung von Kindern mit speziellen Bedürfnissen immer mehr befürwortet. Der IROMEC-”Käfer” ist der erste Roboter seiner Art, der direkt in Zusammenarbeit mit betroffenen Kindern und BetreuerInnen entwickelt wird. Vgl. [1, S. 55]

Aufpassen muss man allerdings, dass die Roboter nicht zu sehr natürlichen Lebewesen ähnlich sehen, denn Menschen merken rasch, dass die emotionalen Reaktionen der Maschine nicht echt sind bzw. diese nicht auf die eigenen Emotionen reagieren und das kann wiederum einen negativen Lerneffekt auf Autisten haben. Ein klarer Unterschied zwischen Mensch und Maschine ist unbedingt erforderlich: “Der Roboter dient als Trittbrett für den ersten Schritt, auf andere Personen zu zugehen.” Siehe [1, S. 55].

Roboter sind daher stets als Ergänzung der Förderung zu sehen und niemals als Ersatz für Menschen, denn zwischenmenschliche Fähigkeiten kann man eben nur in der Interaktion mit Menschen erlangen.

Weitere spannende Projekte für Kinder mit speziellen Bedürfnissen des Austrian Institute of Technology (AIT) finden Sie in den Quellen unter [3]. Dort werden nicht nur neue Spielzeuge entwickelt, sondern auch bestehende adaptiert, siehe [4].

Quellen:

[1] Donner, Susanne; Kontakt zur Welt; Technology Review, Das M.I.T.-Magazin für Innovation; Ausgabe 05 Mai 2009; Heise Zeitschriftenverlag Hannover; S. 52 – 56. Link zum Artikel.

[2] http://www.iromec.org

[3] http://www.arcsmed.at/content/category/9/94/169/

[4] http://science.orf.at/science/news/34542

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