“Quo vadis, E-Learning-Kompetenz-Zentren…?”
22. März 2010 – 14:59 von Michael TesarIn Anlehnung an den Foren-Beitrag “Quo vadis, E-Learning” von Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos auf der GML² 2010 – Tagung, in dem über die Dezentralisierung oder Zentralisierung von E-Learning-Kompetenz-Zentren (oder wie auch immer sie heißen mögen) diskutiert wurde, möchte ich kurz aus meinen Erfahrungen skizzieren, welche Aufgaben so einem Kompetenz-Zentrum zuzuschreiben wären und wo die Herausforderungen für die Zukunft zu sehen sind.
Einige Entstehungsgeschichten von E-Learning-Kompetenz-Zentren (nehmen wir diesen Begriff als Synonym für fast alle Einrichtungen diese Art an) haben mich bislang begleitet. Manche davon sind gescheitert, einige davon erfolgreich umgesetzt worden und andere haben sich nach einer mehr oder weniger langen Orientierungsphase doch zu einer hilfreichen Einrichtung etabliert.
Die Gründe, warum der Aufbau entsprechender Kompetenz-Zentren scheiterte, sind meist die gleichen:
- Mangelnde Kommunikation und Information in der eigenen Institution über das Bestehen einer solchen Einrichtung. Das resultiert in einer zu geringen Nachfrage des Angebotes und damit zum Verlust einer eventuellen Daseins-Berechtigung der Support-Einheit.
- Zu wenig ausgebildete Spezialist/innen im E-Learning- und Medienbereich. E-Learning ist eng mit Didaktik verbunden. Grob formuliert: Ein/e Webseiten-Designer/in macht zwar schöne Webseiten, aber das macht ihn/sie noch nicht zu einer/m Experten/in im E-Learning-Bereich.
- Die Interdisziplinarität stellte eine der größten Herausforderungen dar. Es bedarf für die Abdeckung der unterschiedlichen Bedürfnisse der Lehrenden auch entsprechende Fach-Expert/innen, die über E-Learning-Kompetenzen verfügen.
- Mangelnde Kreativität und Experimentierfreudigkeit lassen viele Lehrende davor zurückschrecken, etwas “Neues” zu probieren. Motivationen seitens der Institutionsleitung (E-Learning Awards o.ä.) helfen dabei, neue didaktische Konzepte und multimediale Elemente in der Lehre zu etablieren.
Diese Gründe und ähnliche weitere sind sowohl in Firmen als auch Hochschulen zu beobachten gewesen. Ein oder zwei Personen mit den Agenden eines E-Learning-Kompetenz-Zentrums zu betrauen, die über mangelnde Fachkenntnis der einzelnen Lehrfächer verfügen und auch wenig mit den Lehrenden kommunizieren, ist zu wenig.
Lehrende wünschen sich aktive Unterstützung bei der zeitraubenden Erstellung von Lernmaterialien, die sie oft selber, auf Grund mangelnder Medienkompetenzen, nicht bewältigen können. Müssten sie auch nicht, das wäre eine von vielen Aufgaben von E-Learning-Kompetenz-Zentren. Auch externe Kompetenz-Zentren (mit Dienstleistungen on demand), wie z.B. el3.at, können mit solchen Tätigkeiten beauftragt werden und unterstützend agieren.
Ein wichtiger Aspekt ist der regelmäßige Austausch über neue Gestaltungsmöglichkeiten in der Lehre – “der frische Wind” für die Lehrveranstaltung sozusagen. Durch eine intensive Zusammenarbeit von E-Teachern und Lehrenden könnte es zu sehr guten Ergebnissen für die Lernenden kommen, die durch innovative Konzepte und erfrischende Gestaltungen sicher motivierter an die Erarbeitung von Lehrstoff herangehen.
Die Aufgaben, die Herausforderungen an E-Learning-Kompetenz-Zentren lauten zusammengefasst wie folgt:
- Offenheit aller Beteiligten für eine interdisziplinäre und institutionsübergreifende Zusammenarbeit in der Lehre, die sich letztendlich in einer steigenden Qualität des Lehrangebots positiv für die Lernenden auswirken soll.
- Aktive Unterstützung der Lehrenden bei der Erstellung von multimedialen Inhalten.
- Enge Kooperation mit Lehrenden um diese beim didaktischen Design Ihrer Lehrveranstaltungen zu unterstützen und die bestmöglichen Wege zur Realisierung unter zur Hilfenahme von webbasierten oder multimedialen Diensten vorzuschlagen.
- Schulungen zur Bedienung der E-Learning-Tools für Lehrende und(!) Lernende anbieten.
- Bereitstellungen von Informationen und Support-Angeboten, die für alle Mitarbeiter/innen und Lernende von Bedeutung sind. Viele Grundlagen einzelner Studiengänge oder Weiterbildungsangebote finden sich in zahlreichen Kursen wieder. Diese könnte man zentralisieren, was den Wartungsaufwand reduzieren würde und in den betreffenden Kursen mehr Freiraum für spezifischen Lehrstoff oder Diskussionen schaffen würde.
- Die Präsentation von Best-Practice-Beispielen ist eine weitere wichtige Aufgabe von E-Learning-Kompetenz-Zentren, denn nur so kann aufgezeigt werden, was möglich ist und die Kolleg/innen, die noch nicht E-Learning einsetzen, motiviert werden, dies einmal auszuprobieren.
- Die Vernetzung und Zentralisierung der E-Learning-Initiativen im eigenen Haus darf nicht vernachlässigt werden. In Zeiten von fehlenden Ressourcen und Einsparungen ist eine Bündelung der bestehenden ein unbedingtes Muss geworden. Darüber hinaus ist der Erfahrungsaustausch mit ähnlichen Einrichtungen unumgänglich. Denn oftmals werden Projekte realisiert, die ähnliche Inhalte haben. Hier wäre eine Kompetenzbündelung von großem Vorteil.
- Letztendlich ist die Präsentation der Aktivitäten nach außen ein Punkt, der vor allem neuen Studierenden oder Lernenden aufzeigen soll, wie Lehre tatsächlich stattfindet. Damit wird gerade bei Studienanfänger/innen die Möglichkeit geschaffen, sich bereits im Vorfeld gezielt zu informieren, was auf sie zu kommen wird.
Letztendlich darf man gespannt sein, wie sich die Zukunft von E-Learning-Kompetenz-Zentren (oder wie man sie auch immer nenne möchte) gestalten wird. Meine Erfahrung zeigt: Ohne geht es nicht, wenn man intensiv E-Learning betreiben und anbieten möchte. Aber ob es “mit” zu den gewünschten Ergebnissen führt, hängt stark von den einzelnen Akteur/innen ab. Dass sich kleinere Hochschulen oder Weiterbildungsanbieter kein eigenes E-Learning-Kompetenz-Zentrum leisten können oder möchten, ist verständlich. Hier wären institutionsübergreifende Initiativen oder die Einbeziehung externer Anbieter nach Bedarf sicher überlegenswert und mit geringeren Kosten verbunden.


2 Kommentare zu ““Quo vadis, E-Learning-Kompetenz-Zentren…?””
Obiger Artikel zeigt sehr deutlich, dass die Aufgaben und Verantwortungen, die heutzutage an E-Learning-Kompetenzzentren, Lehrende aber auch Studierende (oder allgemein: Lernende) gestellt werden, nicht zu unterschätzen sind. Neben den kommunikativen und didaktischen Konzepten gilt es auch technische Systeme/Infrastruktur und Supportunterstützung aufrecht zu erhalten.
Einen ergänzenden Aspekt hinsichtlich der Einbindung von Studierenden in E-Learning-Konzepte möchte ich noch verdeutlichen. Richtigerweise müssen Studierende beim Erstkontakt mit derartigen Systemen für diese begeistert und motiviert werden. Der erste Schritt ist dabei sicherlich nicht ganz einfach und von den Lehrenden mit Unterstützung von Expert/innen der Kompetenzzentren (oder externer Dienstleister) durchzuführen.
Nach der Initiierung eines entsprechenden Konzeptes sehe ich jedoch großes Potenzial im Einsatz von Studierenden im E-Learning-Kontext. Sie sollen digitale Medien nicht als aufdringlich oder Zwang verstehen, sondern durch Eigeninitiative und Selbstmotivation an der Gestaltung derartiger Plattformen aktiv partizipieren. Mit kollaborativen Lernkonzepten sollte dies möglich sein und regelmäßige Feedbackprozesse zwischen Studierenden und Lernenden ermöglichen den Aufbau einer “E-Community”.
Institutionen und Lehrende erhalten dadurch sowohl inhaltliche als auch didaktische oder technische Unterstützung aus den eigenen Reihen und Studierende haben Spaß an der Entwicklung neuer Hochschul-Konzepte. Dieses Bündel, verbunden mit einer für die Studierenden profitablen Bewertung der Lehrveranstaltung durch aktive Mitarbeit, schafft neue Ausbildungszenarien, die auch in ressourcenknappen Zeiten Erfolge erzielen könnten.
Erfahrungen aus meinem studentischen Alltag zeigen zudem, dass E-Learning sehr oft als “E-Learning… Das machen wir auch…” betrieben wird und von den Lehrenden kein wirkliches Konzept zugrunde gelegt wird. Nicht selten erlebe ich Moodle-Kurse, die sich erst im Laufe des Semesters völlig unstrukturiert entwickeln und schlussendlich in einer “PDF-Sammlung bestückt mit einigen HTML-Seiten und Foren” resultieren. Mit einer strukturierten Vorgehensweise könnten mit den teils sehr interessanten Inhalten ganze Web 2.0 Lernwelten geschaffen werden.
Die Unterstützung durch externe Dienstleister oder E-Learning-Kompetenzzentren sehe ich eher im Bereich der Schulung, Systemadministration und Erstellung von E-Learning-Konzepten. Für die aktive Erstellung von digitalen Inhalten bedarf es des entsprechenden Fachwissens aber auch möglichst kurzen Reaktionszeiten zur Publizierung neuer Inhalte. Besonders hinsichtlich des zweiten Punktes wäre daher eine intensive und rasche Kommunikation zwischen Instituten (Lehrenden) und Kompetenzzentren notwendig oder aber durch eine wesentlich bessere Lösung zu etablieren: Die Bereitstellung von institutsbezogenen E-Learning-Experten mit dem notwendigen Know-How, die vor Ort verfügbar sind und alle Institutslehrveranstaltungen im Sinne eines gemeinsamen E-Learning-Konzeptes betreuen.
Neben den Fachaufgaben von E-Learning-Kompetenzzentren sehe ich in naher Zukunft vor allem eine essentielle Aufgabe: Selbstmarketing! Derartige Einrichtungen können nur mit wirklich innovativen, didaktischen Ansätzen punkten und müssen sowohl Lehrende als auch Lernende vom “Spaß des Lernens im Web 2.0″ überzeugen…
geschrieben von Thomas Hainzel am 23. Mrz, 2010
Leider stoße ich erst jetzt auf diesen interessanten Beitrag. Viele Aspekte sind bereits auf den Punkt gebracht. Ich finde jedoch, dass man bei dem Problem der “mangelnden Kreativität” beachten sollte, dass sich diese nicht nur auf den Einsatz von Medien in der Lehre bezieht. Man kann es den Lehrenden auch nicht übel nehmen. Woher die Kreativität nehmen, wenn keine Impulse gegeben werden?
Es geht also m.E. eher darum, die “Grundvoraussetzungen” zu schaffen, sich mit Lehre und Lehrkreativität zu beschäftigen. Das bedeutet für die so genannten E-Learning-Kompetenzzentren auch, sich verstärkt in die Lehrentwicklung, sprich Hochschuldidaktik, einzubringen und vice versa.
geschrieben von Thanh-Thu Phan Tan am 06. Jul, 2010