E-Learning 2009 in Berlin

18. September 2009 – 13:23 von Michael Tesar

Erstmals sind heuer zwei Konferenzen und eine Veranstaltung zusammengelegt unter dem Dach der “E-Learning 2009″:  Die 14. Europäische Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft, die 7. e-Learning Fachtagung Informatik der Gesellschaft für Informatik und die 10. Verleihung des mediendidaktischen Hochschulpreises Medida-Prix. Diese Tatsache soll sich nicht zum Nachteil des Publikums erweisen, wie das durchaus sehr interessante und umfangreiche Programm beweist. Da ist es wahrlich schwierig sich aus den bis zu 6 parallel stattfindenden Vorträgen die spannendsten heraus zu suchen.

Die Vielzahl an Beiträgen, die ich besucht habe hier zusammenzufassen würden den Rahmen sprengen; Ich möchte jedoch durchaus den ein oder anderen Gedanken / Impressionen anführen:

Nach der Abwrackprämie kommt die Notebookprämie. Nicht um die IT-Industrie zu stützen, sondern um allen SchülerInnen und Studierenden die Möglichkeit zu bieten, mit modernen und zeitgemäßen Medien am Unterricht zu partizipieren. Auf www.notebookpraemie.de sollen in Kürze weitere Informationen zu dem von der FU Berlin initiierten Aktion verfügbar sein – man darf gespannt sein.

Ein zentrales Thema der Konferenz war sicher, in wie weit Social-Networks als Wissensressource betrachtet werden können bzw. zum Einsatz kommen. Das am häufigsten gebrauchte Beispiel für weitere Web 2.0 Anwendungen war die Wikipedia, die in fast keiner Keynote fehlen durfte. Durchaus beeindruckend ist der Werdegang des Projektes und die Vielzahl der Artikel übersteigt jede Enzyklopädie. Somit stellt die Wikipedia sicher eine sehr umfangreiche Wissensressource dar. Doch muss auch leider an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass gerade die neuen Medien, wie das Internet, sehr verleiten, fremdes geistiges Eigentum als eigenes auszugeben. Entsprechende Hinweise darauf habe ich vermisst, ist doch gerade diese Thematik eine leider vorhandene Begleiterscheinung, die nicht ignoriert werden darf.

Sicher sehr spannend waren die Aussichten auf den Hörsaal der Zukunft, wenn Tafeln durch große, wenn nicht sogar riesen Displays (OLED) ersetzt werden. Die Interaktionsmöglichkeiten sind sehr interessant und viel versprechend, wobei ich – trotz Technikerwurzeln – etwas skeptisch bin, ob denn dies dann so funktionieren wird, wie wir uns es heute erträumen lassen… Wenn ich nur denke, wie viel wir alle heute noch mit Konnektivitätsproblemen von Notebooks und Beamern  kämpfen, wünsche ich mir, dass wir zuerst dieses Problem in den Griff bekommen sollten… Den auch in Zukunft müssen die Inhalte irgendwie auf die Displays geliefert werden.

Inwieweit personalisierte Vorlesungsunterlagen zu begrüßen sind, bin ich mir noch nicht im Klaren. Ob nicht dadurch Studierende das Gefühl bekommen, dass ihr Lernfortschritt aktiver kontrolliert wird? Klar, dass das mit den bereits zur Verfügung stehenden Techniken leicht realisierbar wäre, aber die Frage ist, welche Emotionen das bei den EndanwenderInnen, den Studierenden, auslöst…

Ebenso häufig war zu hören, dass es deutlich mehr Kommunikation miteinander geben muss. Damit sind nicht nur die Lehrenden untereinander, sondern auch die Lehrenden mit den Studierenden gemeint. Gerade durch die oftmals große örtliche Distanz zwischen Lernenden und Lehrenden, gehen viele informelle Inhalte verloren, die in der Vergangenheit ein Gefühl von Sicherheit und guter Planung vermittelt haben.

“Von der Distribution zur Reflexion und Kollaboration”, das könnte durchaus die Zukunft des e-Learnings bedeuten, wie im Vortrag von Ulf-Daniel Ehlers et al. zu hören war. Dazu passend und einen Bogen spannend fand ich den Twitter Beitrag von Prof. Weber-Wulff zur Podiumsdiskussion am Schluss: “Content != Learning”.

Ein weiterer Beitrag, der mein Interesse geweckt hat und viel interessanten Input für weitere Aktivitäten in meinen Projekten geliefert hat und noch liefern wird, war das “Projekt „Teamtermin“: Maßnahmen gegen Abbrecherquoten und Stresssymptome”. Ähnliche Probleme sind in vielen Studiengängen und Hochschulen zu finden und hier werden gute Ansätze gezeigt, wie man diesen entgegen wirken kann.

Rolf Schulmeister lies mit vier Thesen aufhorchen, die auch zum Teil via Twitter kommentiert wurden. Gerade in Verbindung mit den zuvor schon angesprochenen Social Networks, passt seine erste These:

“Lernen ist in der subjektiven Wahrnehmung der Studierenden etwas Anderes als das soziale Alltagsmanagement der Freundschaften.” – Wie wahr. Daher ist auch genau zu überlegen, inwieweit die Lehre sich mit e-Learning-Aktivitäten und Web 2.0 Anwendungen in die “Privatsphäre” der Studierenden vor wagen soll: Stichwort Lehrkoordination via Facebook o.ä.

These 2 konnte ich leider nicht vollständig mitschreiben – vielleicht kann mir jemand diese nachreichen? Danke.

These 3: “Möglicherweise sind Web 2.0 Methoden in institutionellen Kontexten überhaupt nicht für das formale Lernen geeignet.” – Eine provokante These, die doch sehr zum Nachdenken anregt, ging es doch drei Tage lang um nichts anderes als E-Learning in Verbindung mit Web 2.0.

These 4: “Wir brauchen Lernphasen, in denen um des Lernens willen gelernt werden kann und in denen keine Bewertung stattfindet.” – Stimmt. Der Druck für beide Seiten (Lehrende und Studierende) Noten zu geben muss meiner Meinung nach gesenkt werden und es gehört mehr Freiraum geschaffen für eine aktivere Auseinandersetzung mit den Lehrinhalten, in der auch Fehler gemacht werden dürfen. Denn bekanntlich lernt man aus Fehlern.

Passend zur letzten These beschäftigten sich Michael Striewe und Michael Goedicke mit “Effekte[n] automatischer Bewertungen für Programmieraufgaben in Übungs- und Prüfungssituationen”. Diese Thematik ist gerade für uns Informatiker von großem Interesse, wird doch oftmals versucht so Zeit in der Korrektur von Aufgaben zu sparen. Die zentrale Aussage, die ich für mich mitgenommen habe: Bewertungen alleine sind zu wenig, Erklärungen werden gewünscht bzw. beinahe schon gefordert. Und um automatisiert zielgerichtete Erklärungen zu geben, bedarf es schon eines sehr komplexen Systems.

Am letzten Tag wurde viel über die Trends und Zukunftsaussichten der Hochschullehre 2.0 diskutiert, wobei gleich zwei Schlagworte dominierten: Einfachheit und Kooperation. Alles was einfach ist wird gerne bedient oder genutzt. Software, die über eine gute und einfache Usability verfügt ebenso, wie Lernangebote, die klar strukturiert und deren Sinn sowie Ziel bekannt sind. Auch müssen Konzepte entwickelt werden, die eine Kooperation und ein gewinnbringendes Miteinander der Studierenden fördern, nicht immer eine leichte Herausforderung.

Als Vorteil sehe ich die gemeinsame Abhaltung der beiden Konferenzen. So war es nun für viele möglich zwischen den Vorträgen der beiden Tagungen zu wechseln und sich neben der Didaktik auch einmal mit der Technik zu beschäftigen und vice versa. Ein gelungener Versuch aus meiner Sicht, dessen Fortsetzung wünschenswert ist.

Der Medida-Prix ging heuer nach Bremen und Zürich: Das Projekt “eAssessment” der Uni Bremen (einer meiner beiden Favoriten) und das Projekt “DOIT – Dermatology Online with Interactive Technology“ der Uni Zürich konnten die Jury überzeugen und beide dürfen sich über je 50.000 EUR Projektmittel freuen. Herzliche Gratulation. Weitere Informationen dazu sind auf der Tagungswebseite oder auch auf e-teaching.org, einem der Vorjahresgewinner-Projekte, verfügbar.

Joachim Wedekind fast ganz gut die Eindrücke zur TwitterWall zusammen, die auf der Tagung vorhanden war. Ich muss zugeben, gerade bei der Podiumsdiskussion musste ich doch dem Getwittere am Notebook folgen – die Anzeige der Twittereinträge auf der Konferenzleinwand war leider viel zu klein und die Kommentare aber durchaus gut und inspirierend.

Als sehr hilfreich und sicher in der Praxis gut brauchbar (Ein PDF ist leicht mitgenommen und gut durchsuchbar) erweist sich der Open Access Gedanke der Tagung: Beide Tagungsbände sind via Open Access verfügbar: Tagungsband der GMW (Link folgt) und Tagungsband der Delfi.

Und trotz Twitter, Blogs und sonstigen virtuellen Communities, oder wahrscheinlich gerade deswegen, finde ich es toll, all die Menschen persönlich zu Treffen, mit denen man unter dem Jahr E-Mails austauscht oder Skype-Gespräche führt. Es geht doch nichts über ein Face-To-Face Treffen :-) Und dies spätestens bei der GMW 2010 in Zürich oder der Delfi 2010 in Duisburg.

PS: Weitere Beiträge zur Konferenz sind u.a. zu finden bei: Gabi Reinmann, Michael Kerres, Mandy Schiefner,


Unser Beitrag zur Delfi 2009

18. September 2009 – 11:38 von Michael Tesar

Auf der diesjährigen 7. e-Learning Fachtagung Informatik der Gesellschaft für Informatik, im Rahmen der E-Learning 2009, haben meine Kolleginnen Romana Feichtinger, Anna Kirchweger und ich, unseren Beitrag “Evaluierung von Open Source Lernmanagementsystemen in Bezug auf eine barrierefreie Benutzerschnittstelle” präsentiert.

E-Learning ist ein integraler Bestandteil der Hochschullehre geworden. Lehrende sollten barrierefreie Lernmaterialien erstellen, jedoch geschieht dies selten und meist nicht um den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, sondern um tatsächlich auf die Bedürfnisse spezieller Zielgruppen einzugehen. Doch wie sieht es mit Lernmanagementsystemen aus, die diese Materialien zur Nutzung bereit stellen? Die vorliegende Untersuchung populärer Open-Source Lernmanagementsysteme zeigt auf, wie es um einen barrierefreien Einsatz derselbigen bestellt ist und ob ein sinnvoller Einsatz von Sprachausgabe möglich ist.

Leider werden die Aspekte der barrierefreien Gestaltung von Lernmaterialen und Systemen immer wieder “vergessen” oder nicht beachtet, Prioritäten in der Entwicklung anders gesetzt oder aus Kostengründen Prüfungen und Tests der Software / E-Learning-Inhalte auf Barrierefreiheit unterlassen.

Eine Sensibilisierung auf diese Thematik ist notwendig und umso mehr freut es, dass sich in einigen interessanten Gesprächen gezeigt hat, dass der Bedarf an barrierefreien Systemen groß ist, nur die Realisierung noch zu wünschen übrig lässt. Für einen weiteren Diskurs zu diesem Thema stehen wir gerne jederzeit zur Verfügung.


Was bringen eigentlich Wikis in Unternehmen?

13. September 2009 – 13:13 von Thomas Hainzel

Im WissensWert Blog Carnival Nr. 7 stellt sich Gastgeberin Prof. Dr. Andrea Back von der Universität St. Gallen (Schweiz) die zentrale Frage “Was bringen eigentlich Wikis?“. Dabei sollen vor allem Wikis von Unternehmen analysiert sowie deren Einsatzbereich und Sinnhaftigkeit untersucht werden. Was bringen Wikis überhaupt und welche Erfahrungen bringt der Arbeitsalltag mit sich?

Neben meinem Studium der Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Wien arbeite ich in einer IT-Abteilung eines großen, österreichischen Unternehmens. Etwa 50 der über 2000 Mitarbeiter arbeiten im Bereich der Datenbereitstellung/-analyse bzw. im Reporting Management. Mehrere tausend Datenquellen mit unterschiedlichen Strukturen versorgen uns mit weitreichenden Informationen.

Als zentrales “Knowledge Distribution System” (Wo wird nochmal schnell diese und jene Information gespeichert?) kommt dabei ein auf PHP basierendes Wikisystem zum Einsatz.
Diese Dokumentationsplattform enthält…

  • Beschreibungen von Datenquellen und Datenstrukturen zur Report-Erstellung
  • Prozess- und Verfahrensdefinitionen für standardisierte Business-Prozesse
  • Unternehmensweite Definitionen, Begriffe und Glossare zur Vereinheitlichung von technischen Anforderungen
  • Tipps und Tricks aus dem Datenauswertungsalltag
  • Updates und Systeminformationen

Auf den ersten Blick wirkt dieses unternehmensinterne Wiki sehr mächtig und informativ. In der Tat gibt es einige Artikel und Kategorien, in denen sehr ausführliche Informationen zur Verfügung gestellt werden und dessen Autor/innen auch laufend mit der Aktualisierung dieser beschäftigt sind. In meiner täglichen Arbeit bin ich hier sehr schnell am Ziel und habe die gewünschte Information (meistens sogar mit Beispielen) direkt vor Augen.

Daneben gibt es leider zahlreiche Artikel, die Informationsmängel aufweisen. Teilweise sind die Beschreibungen unvollständig bzw. veraltet oder für einen mit der Materie nicht so vertrauten Mitarbeiter nur sehr schwer verständlich. Letzteres ist vor allem bei der Neueinstellung von Mitarbeitern unangenehm, da diese keine Orientierungshilfe in Form des Wikis vorfinden. Problematisch ist auch, dass einige abteilungsinterne Systeme überhaupt nicht im Wiki dokumentiert sind und daher jeglicher Anknüpfungspunkt an die bestehende Dokumentation fehlt.

Diese negative Tatsache führe ich auf zwei zentrale Aspekte zurück:

  1. Ressourcen: Im heutigen Wettbewerb sparen die Unternehmen wo es nur geht – am meisten bei den Personalressourcen. Damit verbunden ist ein erhöhter Druck auf die Mitarbeiter, die dann wenig oder überhaupt keine Zeit für die Dokumentation bzw. das Kommentieren ihrer Datenbank- und Softwareprodukte haben.
    Dazu kommt noch der Administrationsaufwand für das Wiki, da es zumindest eine Person in der Abteilung geben muss, die zentrale Wartungsaufgaben wahrnimmt, Aktualisierungen durchführt und Supportanfragen beantwortet.
  2. Wille der Mitarbeiter: Die Dokumentation von Projekten und Produkten ist den meisten IT-Beschäftigten ein Dorn im Auge. Der sogenannte “Papierkram” (auch wenn er online in Form eines Wikis abläuft) wird nur ungern erledigt und es wird lieber mit einem neuen Projekt begonnen, als die fertiggestellten Produkte ordnungsgemäß zu dokumentieren.

Der zweite Aspekt kann, besonders am Beispiel der Online-Wikis, mit einer weiteren technischen Tatsache untermauert werden. Die Bedienung von Wikis, insbesondere das Verfassen, Verlinken und Formatieren von Artikeln, ist nicht immer intuitiv und WYSIWYG-Editoren (What-You-See-Is-What-You-Get-Editoren) sind in älteren Wiki-Systemen oft nur über zusätzliche Plugins verfügbar. Das erschwert die rasche, unkomplizierte Dokumentation und hält zumindest einige meiner Kollegen von der regelmäßigen Benutzung des Wikis ab.

Diese unangenehmen Nebenwirkungen schwächen somit die anfangs beschriebenen Vorteile erheblich ab. Denn ein Wiki, in dem niemand schreibt, liest auch niemand!

Die Behebung dieser Mängel bedarf daher einiger Gegenmaßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen:
In einem ersten Schritt sollte das Management bzw. die Führungsebene konkrete Aktionen setzen. Daten und Informationen sind in unserer heutigen Gesellschaft sehr wertvolles Kapitel. Deshalb ist es unumgänglich das vorhandene Wissen der Mitarbeiter zu Sammeln, zu Strukturieren und entsprechend Aufzubereiten. Wikis und Online-Plattformen, in denen die Mitarbeiter selbst gestalten und dokumentieren können, sind sicherlich interessante und auch einigermaßen kostengünstige Möglichkeiten dies umzusetzen.

Dafür ist nicht nur eine geeinete Ressourcenplanung der Mitarbeiter (damit diese auch Zeit für die Nutzung des Wikis haben) sondern auch eine entsprechende technische Betreuung des Systems notwendig. Dies reicht von der Installation und Wartung bis zur individuellen Erweiterung von Modulen und benutzerfreundlichen Gestaltung der Weboberfläche im Corporate Design des Unternehmens. Kurz gesagt: Der Einsatz eines Unternehmenswikis kostet Geld!

Ein zweiter Schritt betrifft das Umdenken der Mitarbeiter selbst. Die Weitergabe von eigenständig erarbeitetem Wissen darf nicht als persönlicher Nachteil oder gar Entbehrlichmachung für das Unternehmen verstanden werden. Es geht vielmehr um die dynamische Interaktion aller Beteiligten (ganz nach dem Motto “Vier Augen sehen mehr als zwei.”) und die gemeinsame Bewältigung des Arbeitsalltags. Zugegebenermaßen ist die Theorie hier weitaus einfacher als die Praxis, da gerade in den letzten Monaten die Thematik “Arbeitsplatzsicherheit” international heftigst diskutiert wurde.

Neben der Bewusstseinsvermittlung an die Mitarbeiter sollte auch dessen Motivation entsprechend gesteigert werden. Dies wäre für mich mit passenden Bonussystemen (die es in unserer Firma bereits für andere IT-Tätigkeiten und Projekte gibt) denkbar. Beispiele hierfür wären etwa monetäre Zuschläge, firmeninterne Auszeichnungen (z.B. Wiki-Power-User) oder wettbewerbsähnliche Veranstaltungen.

Das Fazit meiner bisherigen Erfahrungen mit unserem Abteilungs-Wiki fällt daher zweigeteilt aus. Einerseits begrüße ich die Idee der zentralen Wissensspeicherung und der Vielfalt der vorhandenen Artikel, andererseits wünsche ich mir intensivere Dokumentation sowie den gezielten Einsatz von neuen Technologien (Stichwort Web 2.0) zur effizienteren Verteilung der Personalressourcen und Motivation der Mitarbeiter. Eine meiner großen Zukunftsvisionen ist daher die vollständige Integration der Dokumentation (und damit die Verwendung des Wikis) in den Arbeitsalltag und der sukzessive Aufbau von unternehmensweiten Wissens-, Informations- und Definitionsdatenbanken.

Ich bin gespannt, ob ich mich eines Tages über ein derat interaktives und reichhaltiges Unternehmenswiki – ganz im Stil der zahlreichen Blogs im Web 2.0 Stil – freuen darf.


50 deutschsprachige Weblogs rund um Bildung, Lernen und E-Learning

5. September 2009 – 21:25 von Michael Tesar

Unter diesem Titel hat Jochen Robes 50 deutschsprachige Weblogs aufgelistet, die sich mit den Themen Bildung, Lernen und E-Learning auseinandersetzen – so wie wir auch. Umso mehr freut es uns, dass wir in diese Liste mit aufgenommen wurden. :-) Danke.

Die deutsche Bloggingszene zu diesen Themen ist durchaus überschaubar und so darf es nicht verwundern, wenn sich zahlreiche Blogs bereits in den eigenen Bookmarks oder Feedreadern finden.

Zahlreichen Input, Ideen, Ansätze und Lösungen kann man in diesen Blogs  für eigene Projekte finden. Die Vielfalt der Ausgestaltung von e-Learning verwundert immer wieder, genauso wie die Möglichkeiten reiner “Datei-Downloads”, die als e-Learning bezeichnet werden… Siehe dazu auch den Artikel von Thomas unten.


E-Learning an Hochschulen: Eine Drei-Klassen-Gesellschaft?

1. September 2009 – 18:40 von Thomas Hainzel

E-Learning ist ein Thema, das an vielen Hochschulen mehr oder weniger intensiv betrieben wird. Auch die Technische Universität Wien verfolgt bereits seit über drei Jahren zahlreiche E-Learning-Initiativen. Seit Juni 2006 betreibt das E-Learning-Zentrum, eine zentrale Einrichtigung der TU, eine moodlebasierte E-Learning-Plattform. Rund 20.000 Studierende und 3.700 Universitätsangestellte (Stand: WS 2008/09) haben derzeit Zugriff auf ca. 700 verschiedene E-Learning-Kurse (Stand: 31.08.2009) aus acht fakultären Bereichen.

So unterschiedlich diese Studienrichtungen in ihren Inhalten sind, so verschieden gestalten sich auch dessen E-Learning-Angebote. Einige dieser durfte ich in den letzten vier Semestern meines Studiums erforschen und habe sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht. Mein Wunsch war das Gegenüberstellen bzw. Vergleichen dieser Online-Kurse, welches mich zur Bildung von “E-Learning-Kategorien” motivierte. Diese Klassifizierung ist denkbar einfach und kann auf folgenden drei Ebenen erfolgen:

  1. E-Learning als Filesharing
  2. E-Learning als Lehrveranstaltungsmanagement
  3. E-Learning als dynamische, interaktive Lernmöglichkeit

Die Bezeichnung “Drei-Klassen-Gesellschaft” soll weiters verdeutlichen, dass diese Strukturierung nicht nur auf inhaltiche Aspekte zurückzuführen ist. Neben unterschiedlichen Zielgruppen spielt auch der Zeitaufwand der Kurserstellung/Kursbetreuung sowie die Wertigkeit des gesamten E-Learning-Angebots an einer Hochschule eine zentrale Rolle.

Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die einzelnen Klassen an E-Learning-Angeboten:

1. E-Learning als Filesharing
Die erste und einfachste Form des E-Learnings ist das simple Zurverfügungstellen von Online-Ressourcen jeglicher Art. Überwiegend werden dafür Adobe Acrobat Dateien (PDF-Files) verwendet, die Vorlesungsfolien, Skiptenauszüge oder Übungsangaben beinhalten aber auch gezippte Angaberessourcen oder kurze Informationsseiten finden sich wieder.

Streng genommen kann hier nicht von “E-Learning” gesprochen werden, da keinerlei Interaktion betreffend des Lernfortschrittes erfolgt. Das E-Learning-System wird als reiner Dateiserver “missbraucht” und die meisten E-Learning-Features (etwa Online-Tests oder Abgabemöglichkeiten) bleiben ungenutzt. Auch die Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden erfolgt nicht systemintegriert – Nachrichtenforen werden nicht verwendet, normale Foren erst gar nicht eingerichtet.

Diese genannten Charakteristika sind üblicherweise einer bestimmten Art an Lehrveranstaltungen zuzuweisen. Vor allem reine Vorlesungen (d.h. Lehrveranstaltungen ohne praktischem Übungsteil oder Zwischenprüfungen innerhalb des Semesters) weisen diese Struktur auf, da lediglich Lerninhalt zum Download angeboten wird und am Semesterende eine Abschlussprüfung stattfindet. Leider finden sich solche Online-Kurse auch in Übungen wieder, die im Rahmen von Präsenzveranstaltungen abgewickelt werden – lediglich Übungsangaben werden hier online bereitgestellt.

Interessanterweise kann auch eine Korrelation dieses E-Learning-Typs mit den Vortragenden festgestellt werden. Wenn die Lehrveranstaltungsleitung sich nicht selbst mit der Betreuung des E-Learning-Systems beschäftigt (sei es aus zeitlichen, organisatorischen oder gesellschaftlichen Gründen), wird diese oft an Assistenten oder Sekretariatsmitarbeiter weitergegeben. Diese haben dann zahlreiche Online-Kurse zu betreuen und daher nicht die Zeit ein umfassenderes Angebot zu erstellen. Hier spielt wieder einmal der Aufwands- bzw. Zeitfaktor für die E-Learning-Betreuung eine zentrale Rolle – diese wurde bereits mehrfach in diesem Blog angesprochen.

Für Studierende bietet sich der Vorteil einer übersichtlichen Download-Webseite, die zwar wenig zur Individualitätsförderung beiträgt, jedoch rasch und strukturiert zur gewünschten Information führt.

2. E-Learning als Lehrveranstaltungsmanagement
Etwas umfangreicher versprechen die Online-Angebote der zweiten Kategorie zu sein. Während im ersten Fall lediglich Dateien zum Download angeboten wurden, erweitern sich die Funktionalitäten des E-Learning-Systems hier um Online-Tests, Online-Aufgabenabgabe sowie die Kommunikation über Foren und Feedbackmeldungen. Der komplette Lehrveranstaltungsablauf wird über das E-Learning-System koordiniert – daher “E-Learning als Lehrveranstaltungsmanagement”.

Charakteristisch für solche Szenarien sind vor allem kombinierte Lehrveranstaltungen, die aus einer Vorlesungkomponente und einer Übungskomponente bestehen. Während für erstere überwiegend Print-Ressourcen angeboten werden, wird die Übung teilweise oder vollständig über das System abgewickelt. Dies kann von der simplen Abgabe der Übungsaufgaben bis zur Reservierung von Abgabegesprächsterminen reichen.

Da es in den Informatik-Studienrichtungen zahlreiche kombinierte Lehrveranstaltungen gibt, existiert eine Vielzahl solcher E-Learning-Kurse. Besonders die Administration von großen Teilnehmerzahlen (300+ Studierende) lässt sich mit vertretbarem Aufwand realisieren und stellt ausreichende Supportmöglichkeiten für die Teilnehmer bereit.

3. E-Learning als dynamische, interaktive Lernmöglichkeit
Einzelne Lehrveranstaltungsleiter weiten das oben beschriebene Online-Portal weiter aus und bieten neben den üblichen Print- und Abgaberessourcen zusätzliches Online-Material an. Individuelle Podcasts/Vidcasts zu den Themenbereichen, freiwillige Übungsbeispiele und Bonusaufgaben oder quiz-ähnliche Rätsel als Reise durch das Fachgebiet seien hier nur als Beispiele genannt. Abgerundet werden diese E-Learning-Kurse meistens durch topaktuelle News, gepflegte Kalender (Vorlesungstermine, Gastvorträge usw.) sowie das laufende Hinzufügen neuer Materialien.

Studierende sind nun nicht mehr nur an das verpflichtende Lernangebot gebunden, sondern können je nach Lernfortschritt ihr Wisssen ergänzen und die bereitgestellten Ressourcen optimal ausnutzen. E-Learning wird hier sehr intensiv praktiziert und kann als dynamische, interaktive Lernmöglichkeit angesehen werden.

Für die Kursbetreuung bedeuten solche Online-Portale einen erheblichen Mehraufwand im Vergleich zu einfacheren E-Learning-Kursen. Es ist jedoch für eine individuelle Entwicklung der Lernenden gesorgt und durch die laufende Kursbearbeitung bleibt das Online-Material hoffentlich einigermaßen aktuell.

Leider gibt es an der Technischen Universität Wien nur einige wenige Lehrveranstaltungen, die ein solches Online-Angebot bereitstellen. Nicht zuletzt sind auch die begrenzten Ressourcen der Institute und des Universitätsbudgets dafür verantwortlich. Positiv anzumerken ist, dass es trotzdem einige aufopferungsvolle Mitarbeiter, Tutoren und Studenten gibt, die versuchen ein möglichst attraktives Lernmedium in Form von “Klasse-3-E-Learning-Kursen” zur Verfügung zu stellen.

Die oben vorgenommene Kategorisierung kann sicher nicht als vollkommen angesehen werden und auch eine eindeutige Klassifizierung jeder Lehrveranstaltung ist aus meiner Sicht nicht oder nur sehr schwer möglich. Weiters kann auch keine Kategorie als gut oder schlecht angesehen werden, da es sowohl von der Zielgruppe als auch vom Inhalt der jeweiligen Lehrveranstaltung abhängt, welches E-Learning-Szenario am besten geeignet scheint.

Trotzdem ergibt sich daraus ein Einblick, wie E-Learning im heutigen Hochschulbetrieb eingesetzt wird und wo Probleme bzw. Konfliktpunkte liegen. Es ist offensichtlich, dass die aktuelle Situation einiger Verbesserungen bedarf, jedoch kann nicht verschwiegen werden, dass diese mit intensiven Aufwänden auf unterschiedlichen Ebenen verbunden sind. Dieser Artikel soll daher zur Diskussion und zur Ideensammlung zum Thema “E-Learning an Hochschulen: Eine Drei-Klassen-Gesellschaft?” anregen.

Ich bin gespannt, wie sich diese Drei-Klassen-Gesellschaft in der Zukunft weiterentwickelt und ob wir uns in einigen Jahren über ein teures, betreuungsaufwändiges, dafür aber reichhaltiges E-Learning-Angebot freuen dürfen, welches sich nicht durch simples Filehosting auszeichnet.